Die Eisdecke von Grönland 1998, 2002, 2005
Fragile Eiswelten
Seit Anfang März läuft das Internationale Polarjahr, das die Erforschung von Arktis und Antarktis voran- und in das Blickfeld der Öffentlichkeit bringen soll. Was macht aber das Besondere dieser Lebensräume aus - außer dem Eis?
In den vergangenen Wochen und Monaten gab es viele Schlagzeilen über die Gebiete, die bislang am stärksten die Folgen der Erderwärmung spüren - kaum irgendwo sonst stiegen die Durchschnitts-temperaturen in den letzten Jahrzehnten schneller als in der Arktis oder auf der Antarktischen Halbinsel. Das Klimasystem der Erde zu verstehen, ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.Eisschmelze, Meeresspiegelanstieg und die Freisetzung von Treibhausgasen (Methan, Kohlenstoffdioxid) aus den Dauerfrostböden beeinflussen nicht nur die Polarregionen.
Einer der großen Unterschiede zwischen den nord- und den südpolaren Breiten - und damit wesentliches Kriterium für klimatische und biologische Besonderheiten - ist die Verteilung der Landmassen und Wasserflächen in beiden Regionen. So dehnt sich die Arktis weiträumig über das Nordpolarmeer aus, das wiederum von den großen Landmassen Amerikas, Eurasiens und Grönlands umgeben ist. Außerhalb des großen Eispanzer Grönlands - der eisfreie Teil der zwei Millionen Quadratkilometer großen Insel ist etwas kleiner als Deutschland - und der Gletscher Spitzbergens existiert Eis deshalb nur in Form von Meereis, das eine maximale Dicke von drei Metern erreicht. Im Winter dehnt es sich räumlich stark aus und umfasst dann etwa 16 Millionen Quadratkilometer Fläche, was ungefähr einer Verdoppelung zum Sommer entspricht.
Dagegen liegt der Südpol auf dem antarktischen Kontinent, der mit mehr als 13 Millionen Quadratkilometern deutlich größer ist als Europa und fast gänzlich von mächtigen Eisschilden bedeckt: Geschätzte 90 Prozent des globalen Eises konzentrieren sich hier und türmen sich an den mächtigsten Stellen mehr als 4,5 Kilometer hoch auf. Auch hier gibt es starke saisonale Schwankungen der Meereisfläche, die winters bis zum 60. Breitengrad - und teils darüber hinaus - wächst, sie nimmt dann maximal 30 Millionen Quadratkilometer ein.
Rings um die Antarktis erstrecken sich zudem offene Ozeanflächen; nur zwischen der Antarktischen Halbinsel und der Südspitze Südamerikas verengen sich die Abstände zwischen beiden Landflächen. Windsysteme und Meeresströmungen können folglich unbeeinflusst von Hindernissen rund um den Südkontinent kreisen und ihn so vom Rest des Planeten isolieren, während die Westwindzirkulation und das Golfstromsystem Wärmeenergie in Richtung des Nordpols transportieren. Auch deshalb sinken die Temperaturen in der Antarktis deutlich tiefer als in der Arktis.
Im Rahmen des Internationalen Polarjahres, das vom 1. März 2007 bis 1. März 2009 stattfindet, schließen sich Wissenschafter aus über 60 Nationen zusammen, um gemeinsam die Polargebiete zu untersuchen. Die Begeisterung für die Schönheit der Arktis und Antarktis sowie die Faszination an der Forschung zu vermitteln, ist die Aufgabe zahlreicher Medienvertreter, Künstler und Lehrer, die in die Aktivitäten des Polarjahres eingebunden sind. Auch das Städtische Gymnasium wird im 2.Schulhalbjahr mit von der Partie sein.
Christiane Queisser (3220 Z.)
Eisbär




