Reimen, erklären und darstellen, zwei Minuten Zeit zur Vorbereitung, zwei Minuten Zeit auf der Bühne - klingt ganz einfach, ist es aber nicht.
Als Frau Schmidt unserer Klasse vorschlug an der Deutscholympiade teilzunehmen, waren alle begeistert. Bei diesem Wettbewerb würden Vierer-Teams aus ganz Deutschland in den Disziplinen Reimen, Erklären und Darstellen, gegeneinander antreten. Das Finale, an dem nur die acht besten Teams aus den Kategorien Gymnasium, und Hauptschule und mittlerer Schulabschluss teilnehmen dürften, würde in Berlin stattfinden. Der Preis sollte eine Klassenreise dorthin sein. Jetzt waren wir richtig neugierig geworden und Frau Schmidt musste uns die unterschiedlichen Disziplinen ganz genau erklären:
Beim Reimen sollten wir innerhalb von nur zwei Minuten ein Gedicht entwickeln, bei dem der erste Satz vorgegeben war. Diese Disziplin erwies sich als die schwierigste von allen, denn unter großem Stress nicht nur selbst einen Reim auf die Vorgabe zu finden, sondern sich auch noch einen gut dazu passenden auszudenken, auf den die anderen reimen können, das ist ziemlich schwer. Zudem muss das Gereimte auch eine möglichst sinnvolle Geschichte ergeben, die Anzahl der Silben muss ungefähr übereinstimmen und es dürfen keine allzu langen Pausen entstehen.
Beim Erklären wurden zusammengesetzte Nomen vorgegeben, für die wir uns, wobei wir wieder nur zwei Minuten Zeit hatten, einen Sinn ausdenken und diesen vorstellen sollten. Dabei hatte jede von uns einen eigenen Bereich, über den sie die Zuhörer informieren musste (z.B. Geschichte, Verbreitung und Gefahren des vorzustellenden Objekts).
Meine Lieblingsdisziplin war allerdings das Darstellen. Dabei bekamen wir eine Schlagzeile und zwei Rollen vorgegeben und mussten uns dann zwei weitere Rollen und eine Handlung, die zu der Schlagzeile passte, ausdenken. Die Nebenrollen mussten keine Personen, sondern konnten auch Gegenstände sein. Diese habe ich ganz besonders gerne gespielt und nie werde ich vergessen, wie meine Teamkameradin Enya und ich beim Landesausscheid in Lübeck als Schrank und Klavier auf der Bühne standen.
Allerdings waren wir, als wir in Lübeck antraten, auch schon richtige „Profis“. Zuvor hatten wir den Schulausscheid, bei dem wir gegen unsere Parallelklasse angetreten waren, knapp gewonnen. Dann war unser Team zu einer Qualifikation ins Lübecker Johanneum aufgebrochen, wo wir die Jury schon nach unserem ersten Auftritt, im Reimen, überzeugt und gesiegt haben. Außerdem haben wir natürlich fleißig trainiert.
Trotzdem glaubten wir, als wir zum Landesausscheid im Lübecker Theater fuhren, kaum mehr daran gewinnen zu können. Denn einen Tag zuvor war unsere Teamkameradin Ayla erkrankt und konnte nicht teilnehmen. So nahmen wir Sinja, die zwar in unserer Klasse war, aber nie mit uns trainiert hatte, einen Tag vor der Entscheidung in unser Team auf und befürchteten alle, dass wir es diesmal nicht schaffen würden. Doch diese Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Ohne Training schaffte Sinja es, die Jury im Darstellen, Reimen und Erklären, zu überzeugen.
In der ersten Disziplin, dem Reimen, entwickelten wir, mit dem Anfangssatz „Die Glücksfee hat heut‘ nichts zu tun“, ein Gedicht über Freitag den dreizehnten, an dem es der Glücksfee nicht gestattet war, den Menschen zu helfen, und an dem schreckliche Dinge geschahen.
Nachdem wir diese Disziplin hinter uns gebracht hatten, ging es uns etwas besser und wir freuten uns darüber, in den „Katakomben“ des Lübecker Theaters herumlaufen zu dürfen. Leider stieg die Nervosität wieder, als es ans Erklären ging.
Wir sollten uns eine Bedeutung für den Begriff „Sekundenspange“ ausdenken. Irgendjemand von uns kam auf die Idee, die Sekundenspange sei eine Zahnspange, die die Zähne in Sekundenschnelle zurechtbog. Fredi erklärte dem erstaunten Publikum, auch Paul Potts habe eine solche Spange verwendet, um seine Zähne gerade zu rücken.
Nach diesen ersten beiden Vorstellungen erfolgte eine Bewertung und die Jury entschied, welche der Teams zum Darstellen zugelassen werden sollten. Zu unserer großen Freude, waren auch wir darunter.
Wir gingen in die Vorbereitung und erhielten unsere Schlagzeile: „Entrümpelt“. Als Hauptpersonen waren Hausmeister und Klavierlehrerin angegeben. Nach zwei Minuten betraten wir die Bühne. Wie schon zuvor wurden wir von den Zuschauern mit einem lauten 5,4,3,2,1 eingezählt. Dann präsentierten wir ihnen eine Szene, in der der Hausmeister, der das Klavier und den Schrank auf den Sperrmüll bringen wollte, sich in die Klavierlehrerin verliebte, die das Klavier verteidigte, das sich verzweifelt gegen die Entrümpelung sträubte. Zum Schluss entsorgten die beiden gemeinsam den Schrank, das Klavier aber wurde verschont.
Die Jury war begeistert und wir gewannen den Landesausscheid trotz großer Nervosität und einem fehlenden Teammitglied. Unsere Klassenkameraden, die im Publikum gesessen hatten, rissen uns vor Freude fast von der Bühne. Dann wurden noch zahlreiche Fotos gemacht. Auf dem besten, das von unserer Klassenkameradin Alina Pagel geschossen wurde, beißen wir in unsere Medaillen, wie es die Olympiasieger zu tun pflegen.
Nun allerdings standen wir vor einem Problem. Wer sollte uns auf der nächsten Etappe der Deutscholympiade begleiten? Ayla, die ursprünglich im Team gewesen war und uns sowohl beim Schul- als auch beim Vorausscheid zur Seite stand, oder Sinja, die bereitwillig eingesprungen war und die uns durch den Landesausscheid geholfen hatte?
Glücklicherweise trat Ayla freiwillig zurück und verhinderte so, dass das Team durch einen Streit zerrissen wurde. Allerdings durfte Ayla trotz des Rücktritts mit uns nach Hamburg fahren, während der Rest der Klasse in der Schule bleiben musste. Diesmal jedoch gehörte sie nur zum Publikum.
Nachdem wir in Lübeck im Theater vor ungefähr 200 Zuschauern, darunter unsere eigene Klasse, aufgetreten waren, waren wir ein wenig enttäuscht darüber, dass wir in Hamburg nur vor der Jury und den anderen Teams auftreten sollten. Wie immer waren wir die ersten, die auftreten mussten. Zuerst ging es ans Reimen, dann ans Erklären, zum Schluss mussten wir darstellen. (Diesmal spielte ich einen Traktor, das war echt lustig). Doch schon vor der Rückmeldung der Jury wussten wir, dass wir es nicht geschafft hatten, uns für das Finale der Deutscholympiade in Berlin zu qualifizieren. Natürlich hofften wir noch, aber schließlich stand fest, dass das Team aus Hamburg in der Kategorie Gymnasium und das Team aus Niedersachsen in der Kategorie Hauptschule und mittlerer Schulabschluss gewonnen hatten.
Wir freuten uns besonders für das Team aus Hamburg, das wir während einer Pause beim Billiard spielen kennen gelernt hatten, aber trotzdem waren wir auch ein wenig enttäuscht.
Nachdem die Sieger nun feststanden, wurden wir noch zum Essen eingeladen. Es gab wahlweise Spaghetti mit Garnelen oder Reis mit Pute und Curry-Apfelsoße. (Im Nachhinein hätte ich wohl lieber Ersteres nehmen sollen!)
Dann fuhren wir nach Hause, traurig, dass die Übungsstunden, die wir immer sehr genossen haben, jetzt ein Ende haben würden, aber auch froh über die gesammelten Erfahrungen. (Außerdem freute ich mich sehr, dass wir unsere schwarzen Deutscholympiade-T-Shirts behalten durften.)
Und wie heißt es doch so schön? Dabei sein ist alles!
Friederike Loch, 9a

